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Vorlesen (Tipp fur Sehende)

Die technischen Entwicklungen haben Blinden und Sehbehinderten viele elektronische Hilfsmittel gebracht. So gibt es mittlerweile sehr gute Vorlesesysteme, die gedruckte Texte mittels Texterkennung und Sprachausgabe zugänglich machen. Handschriften können technisch jedoch noch nicht ausreichend verarbeitet werden. Trotz allem bevorzugen manche Betroffene die menschliche Stimme.

Wenn Sie einer blinden Person etwas vorlesen, sollten Sie einige Punkte bedenken:

Sehr unangenehm wirkt sich die Abhängigkeit vom Vorlesenden aus, wenn es sich um persönliche Briefe, amtliche Schriftstücke oder finanzielle Unterlagen handelt. Beim Vorlesen solcher Schreiben sind Takt und Verschwiegenheit unerlässlich. Lesen Sie langsam und deutlich. Schauen Sie zuerst, ob sich auf dem Umschlag ein Hinweis auf den Absender befindet. Unter Umständen könnte der Blinde bevorzugen, den Brief durch jemand anderen vorlesen zu lassen. Öffnen Sie daher einen Brief nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des oder der Blinden. Handelt es sich um eine finanzielle Angelegenheit, ohne dass dies vom Umschlag her ersichtlich ist, sagen Sie dies, bevor Sie zu lesen beginnen. Bei einem persönlichen Brief nennen Sie zuerst den Namen des Schreibers. Der Blinde kann dann entscheiden, ob er sich dieses Schreiben von Ihnen vorlesen lassen möchte.

Lesen Sie niemals einen Brief für sich, um nachher den Inhalt frei wiederzugeben, wenn dies nicht ausdrücklich erwünscht ist. Eigene Kommentare oder Zwischenbemerkungen mit Bezug auf den Inhalt oder den Absender sollten Sie unterlassen. Besonders beim Vorlesen der Zeitungen gilt, dass die betroffene Person bestimmt, was interessant, wichtig und amüsant genug sein dürfte, um vorgetragen zu werden. Lesen Sie eventuell alle Überschriften, und die blinde Person wählt die Artikel aus, für die sie sich interessiert. Sie wird sich aber auch freuen, wenn Sie sie auf Texte hinweisen, von denen Sie erwarten, dass sie von Interesse sein können.