Direkt zum Hauptinhalt

Orientierung im öffentlichen Raum

In einem fremden Amtsgebäude den richtigen Raum zu finden, in einem Einkaufszentrum das gesuchte Geschäft zu erreichen oder in einem Bürogebäude die Ansprechperson für das eigene Anliegen auszukundschaften, all das stellt für jeden Menschen eine komplexe Aufgabe dar. Noch schwieriger wird es, wenn diese Alltagsaufgaben mit einem geringeren Sehvermögen effektiv, effizient und zufriedenstellend bewältigt werden sollen. Sieben Möglichkeiten, diese Herausforderungen zu erleichtern, fassen wir in diesem Beitrag zusammen.

Ein gut geplantes Gebäude wird nicht als Labyrinth empfunden. Der Grundriss weist deutliche und wenige Hauptachsen auf und Abzweigungen erfolgen in einem rechten Winkel. Dass dies auch bei der Adaptierung alter Bausubstanz möglich ist, wurde beispielsweise in den Rathausgalerien in Innsbruck gezeigt.

Für alle Menschen hilfreich, für Blinde und Sehbehinderte in einem fremden Gebäude unerlässlich ist eine Anlaufstelle im Eingangsbereich, bei der Fragen gestellt werden können und im Bedarfsfall auch Assistenz und Begleitung angeboten werden. Doch wie finden blinde Menschen solche Info Points? Im Kaufhaus Tyrol wurden vom öffentlichen Leitsystem in der Maria Theresien Straße Leitlinien bis zum Informationsschalter eingefräst. Die Spar Märkte in Tirol haben im Eingangsbereich Informationssäulen aufgestellt, bei denen per Knopfdruck Assistenz angefordert werden kann. Zu diesen Infosäulen führen gut kontrastierende Teppichstreifen.

Türschilder und Hinweisschilder müssen in einer gut leserlichen und kontrastreichen Druckschrift verfasst werden. Wo Farben als Orientierungshilfen eingesetzt werden, muss auf den Helligkeitskontrast zwischen Schriftfarbe und Hintergrund geachtet werden. Die Schriftgröße sollte mindestens 12 bis 15 Millimeter betragen. Es ist von Vorteil, wenn Türschilder in dieser Schriftgröße mit tastbaren Lettern gestaltet werden. Zumindest sollten aber die Türnummern tastbar sein. Im Blinden- und Sehbehindertenzentrum Tirol haben wir als Beispiel für ein Mehr-Sinne-Prinzip verhältnismäßig kostengünstige sprechende Türschilder eingebaut.

Viele Menschen mit Sehbehinderung weisen einen erhöhten Lichtbedarf auf. Die Beleuchtung sollte daher ausreichend, möglichst großflächig und blendungsfrei sein. Beleuchtungssysteme parallel zur Gehrichtung erleichtern eine intuitive Fortbewegung in Räumlichkeiten. Gute Beispiele dafür konnten wir etwa bei IKEA entdecken.

Blendung beeinträchtigt die visuelle Wahrnehmung von allen Menschen, besonders aber von Menschen mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit. Blendungen können durch direkten Sonneneinfall, kleine Spotlichter, aber auch stark reflektierende Böden verursacht werden. Besonders unangenehm sind am Abend die so genannten „Bodenfluter“, die sich leider immer häufiger bei öffentlichen Gebäuden finden.

Eine kontrastreiche Umweltgestaltung erlaubt Menschen mit einer Sehbehinderung eine bessere Wahrnehmung der grundlegenden Raumstruktur. Bei Treppen muss zumindest die oberste und unterste Stufe mit einem kontrastreichen Streifen versehen werden. Um Verletzungen zu vermeiden, müssen auch Glasflächen in Bewegungsbereichen kontrastreich gekennzeichnet werden. Dies ist bei Architekten sehr unbeliebt, dabei lassen sich durchaus kreative Lösungen umsetzen, wie teilweise von der TILAK an den Universitätskliniken gezeigt wurde.

Was haben Eltern mit Kinderwägen, Menschen in Rollstühlen, Lieferanten und Sehbehinderte gemeinsam? Sie sind froh, wenn Gebäude ohne Einzelstufen auskommen. Für die einen stellen sie unnötige Hürden dar, für die andern sind sie Stolperfallen. Für die Sicherheit von Sehbehinderten müssen Stufen zumindest kontrastreich gestaltet sein. Auf Bewegungsflächen dürfen keine Stolperfallen aufgestellt sein. Insbesondere die tastbaren Bodenleitsysteme müssen von Mobiliar, Gepäckstücken oder Fahrrädern frei gehalten werden. Briefkästen oder andere Regale, die in den Bewegungsraum ragen, können von einem Blindenstock nicht erfasst werden und stellen so eine Verletzungsgefahr dar.

Ein Beitrag von Mag. Wolfgang Berndorfer, BSVT.