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Netzhauterkrankungen

Netzhauterkrankungen

Licht wird von der Sonne oder anderen Lichtquellen ausgesendet. Die Gegenstände in unserer Umgebung reflektieren einen Teil dieses Lichtes. All diese Lichtstrahlen gelangen zu unseren Augen. Und können durch die durchsichtigen Teile Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper zum Augenhintergrund gelangen. Gleichzeitig werden die Lichtstrahlen im Idealfall durch die durchsichtigen Elemente des Auges so gebrochen, dass sie scharf auf den Augenhintergrund treffen.

Am Augenhintergrund befindet sich die Netzhaut. Sie enthält die Sinneszellen für das Farbsehen und das Hell-Dunkel-Sehen. Die Sinneszellen wandeln Lichtimpulse in kleine elektrische Impulse um, die an die Sehnerven weitergegeben werden. Die Sehnerven leiten die Impulse an das Sehzentrum im Gehirn weiter. Dort werden die Impulse verarbeitet, mit vorhandenen Erfahrungen verglichen, kurz, die optischen Eindrücke werden vom Gehirn erkannt.

Wenn die Sinneszellen geschädigt sind, können die Lichtimpulse nicht in Informationen an das Gehirn umgewandelt werden. Das Gehirn erhält also keine oder nur mangelhafte Informationen. Die Beeinträchtigungen können einzelne Typen oder Areale von Sinneszellen betreffen:

  • Als Zapfen werden die Sinneszellen bezeichnet, die für das Farbsehen in unterschiedlichen Bereichen des Lichtspektrums zuständig sind. Eine Schädigung der Zapfen kann von einer Beeinträchtigung des Farbsehens in einem bestimmten Bereich des Spektrums bis hin zur völligen Farbenblindheit führen.
  • Stäbchen sind Sinneszellen, die für das Hell-Dunkel-Sehen eingesetzt werden. Eine Beeinträchtigung der Stäbchen führt daher zu Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung oder Nacht.
  • In der Netzhautmitte sind die Sinneszellen am dichtesten angesiedelt. Hier können Lichteindrücke mit der höchsten Auflösung verarbeitet werden. Eine Schädigung der zentralen Netzhautareale führt zu Problemen beim Lesen oder beim Erkennen von Personen und Gegenständen.
  • Zur Netzhautperipherie hin nimmt die Dichte der Sinneszellen ab. Das Auflösungsvermögen und die Farbwahrnehmung werden deutlich schwächer als in der Netzhautmitte. Beeinträchtigungen in der Peripherie führen zu Problemen bei der Orientierung und in der Mobilität.

Die häufigsten Ursachen für eine Schädigung der Netzhaut sind bei unseren KlientInnen durch Vererbung gegeben. In den wenigsten Fällen sind Eltern, Geschwister oder Kinder der KlientInnen von der gleichen Augenerkrankung betroffen. In der Medizin wird dies als rezessiver Erbang bezeichnet.

Auch Diabetes führt zu einer Schädigung der Sinneszellen in der Netzhaut. Die Netzhautschädigung ist dabei eine Folge von kleinen Blutungen, die das Netzhautgewebe zerstören.

Eher selten sind bleibende Schäden an der Netzhaut durch mechanische Einwirkungen. Diese können durch massive Verletzungen des Auges oder durch zu spät behandelte Ablösungen entstehen.

Erbliche Netzhauterkrankungen können medizinisch noch nicht behandelt werden. Auch Schädigungen der Netzhaut durch Diabetes oder mechanische Einflüsse können durch die Augenchirurgie nicht immer vollständig beseitigt werden. Betroffene können sich an den TBSV wenden.

Unsere Aufgabe ist es zunächst, Möglichkeiten zu finden, wie das vorhandene Sehvermögen so gut es geht eingesetzt werden kann. Wo das Sehvermögen nicht mehr ausreicht, kann durch Gehör und Tastsinn, Hilfsmittel und Strategien in vielen Bereichen Abhilfe geschaffen werden.

Schließlich kann durch eine barrierefreie Gestaltung der Umwelt der Handlungsradius von Menschen mit Netzhauterkrankungen deutlich erweitert werden. Verbesserte Lichtverhältnisse, gute Kontraste, barrierefreie digitale Angebote und öffentliche Verkehrsmittel erlauben Menschen trotz einer Sehbehinderung eine Teilhabe an unserer Gesellschaft.