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Keine Tabus (Tipps für Sehende)

Im Gespräch mit einem blinden Menschen wagen es viele nicht, Wörter wie „sehen“, „betrachten“ oder „blind“ zu verwenden. Rutscht ihnen doch einer dieser Begriffe heraus, beginnen sie sich zu entschuldigen. Tatsächlich haben diese Ausdrücke für blinde und sehbehinderte Personen eine besondere Bedeutung und einige verabschieden sich grundsätzlich mit „Auf Wiederhören!“. Die eigene Behinderung anzunehmen, braucht Zeit. Dann können viele blinde und sehbehinderte Menschen durchaus locker und humorvoll mit ihrer Behinderung umgehen. Das Wort „blind“ gebrauchen und hören sie wie jedes andere Wort, und das Wort „sehen“ oder ähnliche Wörter wenden sie in der Bedeutung von „wahrnehmen“, „erleben“ oder „erfahren“ an: „Ich habe dieses Buch gelesen (in Blindenschrift oder als Hörbuch)“, ”Die Tiroler Bergwelt ist sehr schön“, „Ja, ich habe dieses Theaterstück gesehen (gehört).“ Sie können deshalb ohne Angst einen Blinden fragen: „Wollen Sie sich das ansehen?“, während Sie ihm oder ihr einen Gegenstand in die Hände legen. Gebrauchen Sie ohne Scheu das Wort „blind“ oder „Blindheit“, wenn es sich im Gespräch so ergibt.

Es bedarf eines besonderen Taktgefühls und einiger Vertrautheit, wenn Sie mit sehbehinderten und blinden Menschen über deren Behinderung sprechen wollen. Kraftvolle Mitleidsbekundungen und distanzlose Neugier sollten Sie auf jeden Fall vermeiden: „Oh, das ist schrecklich! … Sie sind so geboren? … Von einer Krankheit oder einem Unfall her?“ Denken Sie immer daran, dass die Blinden wohl blind, aber nicht gehörlos sind. Geflüsterte Bemerkungen wie: „Das wäre für mich das Ärgste!“ oder „Ich möchte lieber tot als blind sein“ kommen verständlicherweise in Gegenwart von blinden Menschen nicht gut an. Wertschätzung und Gelassenheit Ihrerseits werden zu einer guten Begegnung mit blinden und sehbehinderten Mitmenschen beitragen.