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Braillezeile

Für jeden Büroberuf ist der Computer der Schlüssel zur Arbeitswelt. Genialerweise eröffnet gerade diese Tatsache blinden Menschen neue berufliche Möglichkeiten. Denn digitale Texte lassen sich in Blindenschrift darstellen.

Zu verdanken ist dies dem blinden Franzosen Louis Braille, der vor annähernd 200 Jahren die nach ihm benannte Blindenschrift entwickelte. Ein normales Blindenschriftzeichen besteht aus einer Kombination von sechs möglichen Punkten. Auf diese Weise lassen sich 64 verschiedene Zeichen darstellen. Das reicht für das Alphabet, Satzzeichen und Sonderzeichen.

Für den Computer wurden zwei mögliche Punkte hinzugefügt, sodass insgesamt 256 unterschiedliche Zeichen dargestellt werden können. Damit lässt sich also der Grundzeichensatz eines Computers in Blindenschrift abbilden.

Wie erfolgt aber nun die Darstellung eines digitalen Buchstabens in Blindenschrift? Blinde Menschen verwenden am Computer eine sogenannte Braillezeile. Diese besteht meist aus 40 oder 80 Elementen, die jeweils ein Braillezeichen darstellen können. Jedes Element besteht aus acht kleinen Stiften, die in ein Gehäuse versenkt sind. Um ein Zeichen darzustellen, werden nun diejenigen Stäbchen elektronisch aus dem Gehäuse geschoben, die das jeweilige Zeichen in Blindenschrift bilden.

Auf diese Weise können also Texte mit 40 oder 80 Zeichen in Blindenschrift dargestellt werden. Das ist nicht viel, wenn wir uns überlegen, welche Menge an Informationen gleichzeitig auf dem Monitor zu sehen ist. Mit einer Braillezeile muss sich ein blinder Mensch Zeile für Zeile diese Bildschirminhalte erarbeiten.

Gute, barrierefreie Dokumente oder Webseiten erleichtern das Arbeiten mit einer Braillezeile. Wenn beispielsweise Überschriften als solche gekennzeichnet sind, kann sich der blinde Mensch einen Überblick über ein Dokument schaffen, indem er sich vorerst nur die Überschriften anzeigen lässt.

Gute Tastaturkenntnisse sind eine Voraussetzung dafür, dass Menschen mit einer Sehbehinderung am Computer arbeiten können. Für das Arbeiten mit einer Braillezeile gehört natürlich ein äußerst geschultes Fingerspitzengefühl dazu. Und die richtigen Strategien zum Arbeiten am PC sind zu erlernen, denn ein Mausklick zum raschen Bedienen eines Programms ist nicht möglich.

Übrigens wird der Name „Braille“ im Französischen korrekt wie „Brei“ ausgesprochen. Im Deutschen ist es allerdings üblich, auch das „l“ auszusprechen. Die Braillezeile wird üblicherweise lautsprachlich als „Breilzeile“ ausgesprochen. Der Grund ist ganz einfach: Breischrift und Breizeile erinnern doch zu sehr an Kindernahrung.

Ein Beitrag von Wolfgang Berndorfer, Leiter der Beratungsstelle des BSVT