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Beleuchtung am Arbeitsplatz

Ohne Licht können wir nichts sehen. Diese Tatsache ist jedem Menschen bewusst. Mit besserem Licht können wir besser sehen. Diese Tatsache hingegen wird nur selten bedacht. Vielleicht liegt dies daran, dass normal sehende Menschen in der Regel eine Beleuchtungssituation vorfinden, die den jeweiligen Bedürfnissen hinreichend gerecht wird. Für sehbehinderte Menschen hingegen geht es ständig darum, das vorhandene Sehpotential so gut wie möglich einsetzen zu können. Und dafür braucht es oft eine Optimierung der Lichtverhältnisse.

Licht hat für Menschen mit Sehbehinderungen in vielen Fällen eine besondere Bedeutung. So weisen etliche Sehbehinderte einen erhöhten Lichtbedarf auf. Dies kann die Folge von Trübungen etwa der Augenlinse sein, oder eine Verminderung der Wahrnehmungsfähigkeit der Sinneszellen in der Netzhaut. Diese Menschen benötigen dann zum Beispiel hellere Räume, um ihr Sehvermögen gut einsetzen zu können.

Gleichzeitig ist mit vielen Sehbehinderungen eine erhöhte Blendempfindlichkeit verbunden. Dies kann so weit gehen, dass Betroffne selbst in Innenräumen getönte Gläser benötigen. Besonders unangenehm werden kleine Spotleuchten oder Bodenfluter in der Dunkelheit empfunden. Aber selbst ein bewölkter Tageshimmel beeinträchtigen das Sehvermögen und die Qualität des Sehens.

Die meisten Dinge sehen wir, weil sie von der Sonne oder künstlichen Lichtquellen angeleuchtet werden. Nun ist das Tageslicht selbst bei trübem Wetter heller als die meisten Innenräume, in denen wir uns bewegen. Die Lichtmenge sollte im Außenbereich am Tag daher auch für Menschen mit Sehbehinderungen ausreichen. Vor Blendungen hingegen schützen getönte Gläser, vor allem aber Abschattungen und in einigen Fällen spezielle Filter.

Die Lichtverhältnisse in Räumen ändern sich durch unterschiedliches Tageslicht und Sonneneinfall ständig. Dies muss bei der Gestaltung der Glasflächen berücksichtigt werden. Einerseits sollte ja das natürliche Licht schon aus Energiespargründen so viel wie möglich ausgenützt werden. Gleichzeitig sollten aber Blendungen vermieden oder reduziert werden. Dabei haben sich vor allem Jalousien bewährt. Zu achten ist aber auch darauf, dass es nicht durch stark reflektierende Böden und Arbeitsflächen zu Blendungen kommt.

Beim Einsatz von künstlichem Licht geht es vor allem um eine ausreichende und blendungsfreie Grundbeleuchtung. Besonders bewähren sich indirekte Beleuchtungen mit einem Direktanteil. Bereiche für spezielle Tätigkeiten müssen für den jeweiligen Bedarf zusätzlich angepasst werden bzw. anpassbar sein. Ein Leseplatz für Sehbehinderte etwa wird in den meisten Fällen idealer Weise mit einer eigenen Leseleuchte ausgestattet.

Im Projekt „sehensWert“ geht es uns darum, Betroffene zu Fachkräften in eigener Angelegenheit zu machen. Das bedeutet in unserem Zusammenhang zunächst, Bewusstsein für die Bedeutung von Licht und Beleuchtung zu wecken. Soweit möglich und nötig, vermitteln wir auch Kenntnisse über die physikalischen Grundlagen. Vor allem werden aber individuelle Lösungen und praktische Tipps herausgearbeitet.

So prüfen wir bei Bedarf die individuelle Licht- und Beleuchtungssituation am Arbeitsplatz. Wir eruieren den jeweiligen Lichtbedarf einer sehbehinderten Person für unterschiedliche Tätigkeitsprofile. Wir können in unserer Beratungsstelle aber auch unterschiedliche Beleuchtungsarten simulieren, etwa um eine bevorzugte Farbtemperatur herauszufinden.

Von zentraler Bedeutung für das Sehvermögen und die Qualität des Sehens ist es, Blendung und Gegenlicht zu vermeiden. Dies kann schon bei der Auswahl eines Sitzplatzes an einem Besprechungstisch Anwendung finden. Im Außenbereich geht es immer darum, den Taghimmel abzuschatten. Mit dem Fachausdruck ist dies eine Reduktion der Leuchtdichteunterschiede im Gesichtsfeld. Alltagssprachlich ausgedrückt: Setze draußen immer eine Mütze mit einem großen Schild auf!

Eine sorgfältige Planung und Gestaltung der Lichtsituationen in Gebäuden und der Arbeitsplätze bedürfen eines fachlichen Wissens und eines gestalterischen Willens. Die Erfahrung zeigt aber, dass gute Lichtverhältnisse allen Menschen zugute kommen.

BSVT Lehrling Silvan Schranz aus Wenns