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Interview zum Thema barrierefreie PDFs

„Mein Name ist Bianca Vonmetz, ich bin 47 Jahre alt und lebe in Innsbruck. 23 Jahre lang habe ich als Lehrerin an der Landesblinden- und Sehbehindertenschule gearbeitet, davon die letzten fünf Jahre auch in der mobilen Beratung blinder Kinder an Regelschulen. Im Jänner dieses Jahres hat mich unser Obmann Klaus Guggenberger auf die ausgeschrieben Stelle als Beraterin in der beruflichen Integration aufmerksam gemacht. Auf meine Bewerbung wurde ich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen und habe diese Stelle nun inne.

Mit Freude stelle ich mich dieser neuen Herausforderung. Seit Anfang Mai arbeite ich für fünf Wochenstunden im BSVT, ab September wird mein Stundenausmaß auf 28 pro Woche aufgestockt. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben und die Zusammenarbeit mit allen Kolleginnen und Kollegen!“

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?:

„In meinem Büro im BSVT habe ich einen Stand-PC mit Windows10 zur Verfügung. Um effizient arbeiten zu können, nutze ich eine mobile Braillezeile sowie den Screenreader Jaws2020.“   

Welche assistierenden Technologien verwendest du?:

„Ich verwende zwei assistierende Technologien: Einerseits nutze ich Jaws2020, die neueste Version des blindenspezifischen Bildschirmleseprogramms, das die graphischen Windows-Symbole in Sprache übersetzt und auch die Braillezeile steuert. Zum Anderen verwende ich „Open Book“, eine Schrifterkennungssoftware zum Scannen der in Druckschrift verfassten Dokumente.“

Wie oft wirst du bei deiner Arbeit mit PDF-Dateien konfrontiert?:

„Im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit ist die Häufigkeit, mit PDF-Dokumenten konfrontiert zu werden, erheblich gestiegen. Wo man noch vor 10 Jahren ganz selbstverständlich ein Word-Dokument zugesandt bekommen hat, wird heute zu 90% eine PDF-Datei übermittelt.“

Was sind die Schwierigkeiten von PDF-Dateien?:

„Obwohl die assistierenden Technologien in den letzten Jahren deutlich verbessert wurden, was die Erkennung von PDFs betrifft, können diese noch immer verschiedenste Schwierigkeiten in sich bergen: Wenn zum Beispiel eine PDF-Datei um 90 Grad gedreht wurde, sodass der Text im Querformat dasteht, kann es sein, dass man mit der assistierenden Technologie vorerst nur Hieroglyphen oder einen sehr fehlerhaften Text zu lesen bekommt. Dann muss man auf die OCR-Technologie zurückgreifen. Das wird auch notwendig, wenn Texte in Grafiken eingebaut sind. Diese Software kann Text in einem Bild aufspüren und erkennen.

Weiters treten Probleme auf, wenn man nicht innerhalb des Textes navigieren, also zum Beispiel von Überschrift zu Überschrift springen kann. Auch wenn Schalter nicht beschriftet oder Links nicht als solche gekennzeichnet sind, wird das Arbeiten ohne sehende Hilfe mühsam bis teilweise nicht mehr möglich.“

Was sind die Unterschiede zwischen barrierefreien und nicht-barrierefreien PDF-Dateien?:

„Genau wie bei der Gestaltung barrierefreier Internetseiten kommt es auch in PDF-Dateien darauf an, die einzelnen Elemente so zu formatieren, dass man mit den vom blindenspezifischen Screenreader bereitgestellten Tastenkombinationen darin navigieren kann. Es braucht also formatierte Überschriften, aussagekräftig beschriftete Schalter und gekennzeichnete Links. Tabellen sollten nach Möglichkeit vermieden werden, da sie für blinde Menschen schwierig auszulesen sind. Texte sollten nicht in Bildern verborgen, sondern extra angezeigt werden. Wenn Bilder mit einem Alternativtext versehen sind, der sie kurz und prägnant beschreibt, ist es sehr hilfreich für unsere Personengruppe.“

Vielen Dank für das Interview!

Portrait Bianca Vonmetz