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Interview mit Pinar Camalan

Frau Camalan ist im BSVT als Reha Trainerin für die Schulung blinder und sehbehinderter Menschen im Umgang mit dem iPhone angestellt. Aufgrund ihrer eigenen Sehbehinderung, ist sie aber auch selbst Nutzerin von Navigationsapps.
Wir haben mit Frau Camalan ein Interview geführt in dem sie sowohl als Nutzerin als auch als Trainerin zu Wort kommt.

Wann und wo setzt du Navigationsapps ein?
Ich verwende Navigations Apps, wenn ich in eine mir wenig bekannte Gegend muss, wo ich nur ungefähre Kenntnisse der Umgebung habe.

Wie trainiert man den Umgang mit Navigationapps?
Es gibt einige wichtige Voraussetzungen, um Navigationsapps gut nutzen zu können. Zuerst muss ich den Aufbau der App kennen lernen, in meinem Fall meistens Via Opta Nav. Ich muss wissen, wie ist die Darstellung, wie gebe ich meine Suchbefehle ein, hier ist schreiben oft besser als diktieren, da durch die Umgebungsgeräusche auf der Straße eine Spracheingabe schwierig ist. Dann muss ich auch die Sprache der App kennen lernen, was heißt es z.B. wenn ich halblinks abbiegen muss?
Die wichtigste Voraussetzung, bevor man überhaupt mit Navigationsapps arbeitet, ist aber, dass man vorher ein Mobilitätstraining absolviert hat und die Grundlagen und Strategien der Orientierung kennt.
Wenn ich dann soweit bin, dass ich die App kenne, trainiere ich in einem O&M Training in einer bekannten Umgebung, um zu lernen, wie mich die App führt.
Zu Beginn gebe ich meinen Zielort in der App ein und starte die Route, das geht bei Via Opta nav erst, wenn ich das Haus verlassen habe. Damit ich alle Anweisungen gut hören kann, verwende ich Kopfhörer. Am besten sind Knochenleitungskopfhörer, damit man die Umgebungsgeräusche auch noch mitbekommt, die sind ja für die Orientierung, trotz App, immer noch sehr wichtig. Ich mache es meistens so, dass ich meine „in ear“ Standartkopfhörer verwende, und diesen dann nur in einem Ohr.

Es scheint, dass man am Handy recht fit sein muss, um Navigationsapps nutzen zu können. Welche Grundkenntnisse am Handy musst du als Trainerin Klient*innen vermitteln, damit sie diese Apps nutzen können?
Ganz am Anfang mache ich eine Einführung in Voice over, das ist ein Screenreader am iPhone, der alles was am Display erscheint vorliest. Damit man auch alles was vorgelesen wird gut verstehen kann, ist es wichtig die Sprechgeschwindigkeit so einzustellen, wie sie den jeweiligen Klient*innen am besten passt.
Der nächste Schritt ist das Training der Wisch- und Tipp Gesten, um das Vorlesen zu starten, aber auch um Eingaben zu machen.
Hier ist z.B. für die Nutzung von Navigationsapps ganz wichtig, dass die Betroffenen den Umgang mit der visuellen Tastatur kennen und auch wissen, wie sie sich Zeile für Zeile in der App bewegen können.
Damit man bei der Eingabe mittels Tipp- und Wischgesten nicht irgendwelche willkürlichen Aneinanderreihungen von Buchstaben bekommt, werden auf der visuellen Tastatur durch wischen, die Buchstaben vorgelesen und durch Tippen bestätigt.
Um trotzdem mögliche Fehler zu vermeiden, trainieren wir, wie man die Tippkontrolle verwendet, hier wird jedes getippte Wort durch Drücken der Leertaste nochmals vorgelesen, um Fehler zu vermeiden. Unterstützend aktiviere ich mit meinen Klient*innen auch immer die Rechtschreibkontrolle, die informiert mich akustisch, wenn sie irgendwo in der Eingabe einen Fehler erkennt.

Anwendung von Navigationsapps