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Wie Sehbehinderte sich einen Boden wünschen

Rutschfest soll er sein, mein Boden und gefallen soll er mir und allen, die zu mir kommen. Keine Stolperfallen soll er aufweisen, wie Niveauunterschiede oder gar Einzelstufen. Und für Blinde könnte ein tastbares Leitsystem zweckmäßig sein. Das und Ähnliches kennen wir aus Anforderungsprofilen für die barrierefreie Bodengestaltung. Worauf kommt es aber an, wenn der Boden optimal für Menschen mit Sehbehinderung gestaltet werden soll? Wie sehen also die visuellen Anforderungen an einen Boden aus?

 

Der Inbegriff eines sauberen Bodens ist, wenn er glänzt. Aus diesem Grund werden in Räumlichkeiten, die Hygiene ausstrahlen sollten, immer noch stark reflektierende Böden verlegt. Leider führen Reflexionen am Boden, etwa von einfallendem Sonnenlicht oder anderen starken Lichtquellen zu Blendung. Da jedoch viele sehbehinderte und ältere Menschen eine erhöhte Blendempfindlichkeit aufweisen, beeinträchtigen glänzende Böden deren Mobilität. Beim Gehen ist die Blickrichtung immer wieder auf den Boden gerichtet und wenn ich dabei geblendet werde, ist meine visuelle Wahrnehmung besonders beeinträchtigt. Böden sollten daher über eine möglichst matte Oberfläche verfügen, auch in Alteneinrichtungen und Krankenhäusern.

 

Böden sollten keine grobkörnige Musterung aufweisen. Ein einfarbiger Boden lässt sich auch von Menschen mit Sehbehinderung leichter reinigen, weil bei einer starken Musterung Flecken und Schmutz weniger auffallen. Ich wäre als sehbehinderter Mensch also gut beraten, meine Wohnung nicht mit astreichen Holzböden zu versehen. Ich könnte sonst versucht sein, die Äste wegzuputzen und anderswo einen braunen Schmutzfleck übersehen.  Doch nicht nur in der eigenen Wohnung bieten möglichst eintönige Böden einen Vorteil. Wenn mir versehentlich etwas auf den Boden fällt, finde ich es auf einem einfarbigen Boden einfach leichter wieder. Fremdkörper heben sich visuell von einem einheitlichen Hintergrund meist besser ab.

 

Sonne, Mond und Sterne, all diese natürlichen Lichtquellen befinden sich im oberen Bereich unseres Gesichtsfeldes. Vielleicht ist das der Grund, warum sich unser Sehen im Lauf der Entwicklungsgeschichte daran gewöhnt hat, dass oben her die Helligkeit kommt. Entsprechend unerwartet und störend können daher Lichtquellen sein, die von unten in unser Auge treffen. Bodenleuchten, also künstliche Lichtquellen, die in den Boden eingelassen sind, können daher zu einem erhöhten Blendungsempfinden führen und sollten vermieden werden. Dezente Leuchtstreifen entlang eines Bodenleitsystems hingegen können durchaus zweckmäßig sein.

Mag. Wolfgang Berndorfer, BSVT

Stark reflektierender Boden

Optimaler einfarbiger Boden

Schwer erkennbare Münzen auf Holzboden