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sehensWert: Berufsqualifizierung und Beratung für blinde und sehbehinderten Menschen in Tirol!

Innsbruck, 6.2.2013. „Ich möchte später einmal im Pflegebereich arbeiten“, erzählt die 16-jährige Anna-Maria „Super wäre es, wenn ich direkt in meiner Heimatgemeinde in einem Altenheim arbeiten könnte. Meine Ausbildung möchte ich davor aber noch in Innsbruck machen.“ Für die berufliche Zukunft hat Anna-Maria ein klares Ziel.

 

Derzeit besucht sie das Sonderpädagogische Zentrum für Kinder mit Blindheit oder Sehbehinderung. Im Rahmen der Berufsorientierung macht das junge Mädchen, das eine Hornhautverkrümmung hat und stark blendempfindlich ist, ein Praktikum im Rahmen des Projekts sehensWert beim Tiroler Blinden- und Sehbehinderten-Verband (TBSV).

 

„Viele blinde oder sehbehinderte Jugendliche haben Schwierigkeiten, einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Auch die berufliche Neuorientierung, die aufgrund der Verschlechterung des Sehvermögens zwingend notwendig werden kann, gestaltet sich oft nicht einfach“, erklärt Carmen Natter, Projektleiterin des Projekts sehensWert, „Viele Betroffene verwenden kaum Hilfsmittel aus Angst vor Stigmatisierungen und das hat dann fatale Folgen für die Arbeitsplatzsuche und den Arbeitsplatzerhalt. Um den Anforderungen am Arbeitsmarkt gerecht zu werden, müssen die Betroffenen die Notwendigkeit von Hilfsmitteln und Kompensationsstrategien erkennen.“

 

Das Projektteam berät, begleitet und fördert seine Klienten. Dabei geht es um grundlegende Maßnahmen aus den Bereichen Berufsorientierung und persönlicher Qualifizierung, wie zum Beispiel das Abklären des Sehvermögens oder die optimale Arbeitsplatzausstattung. Moderne Hilfsmittel, wie blinden- und sehbehindertengerecht adaptierte Computer, machen es möglich auch anspruchsvolle Tätigkeiten zu übernehmen. Es ist aber trotzdem schwer für einen sehbehinderten Menschen einen Arbeitsplatz zu finden.

 

Der Mensch im Mittelpunkt: Fachkraft in eigener Sache

 

Gemeinsam werden die beruflichen Möglichkeiten individuell erarbeitet, damit der Start ins Berufsleben optimal verläuft. Neben dem Praktikum werden in einzelnen Fällen auch Menschen direkt am Arbeitsplatz begleitet. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie bestimmte Arbeitsschritte bewältigt werden können.

 

Immer wieder ist der TBSV mit jugendlichen oder spätbetroffenen Klientinnen und Klienten konfrontiert, die sich nicht mit ihrer Sehbehinderung auseinandersetzen. Daran wird aktiv mit den Betroffenen gearbeitet, betont sehensWert Projektleiterin Carmen Natter: „Während dem Praktikum vermitteln wir blinden und sehbehinderten Menschen Strategien und die Anwendung von Hilfsmitteln. Wichtig ist für uns auch, dass Betroffene ihre Bedürfnisse adäquat vermitteln können.“

 

Wissensvorsprung durch individuelle Beratung

 

Seit über 65 Jahren ist der TBSV die einzige Anlaufstelle für blinde und sehbehinderte Menschen in Tirol. Wenn der Übergang von der Schule in den Beruf oder eine berufliche Neuorientierung ansteht, sind die Projektmitarbeiter die richtigen Ansprechpartner. Seit 2008 gibt es durch die Unterstützung des Bundessozialamts Landesstelle Tirol das Projekt sehensWert. Wie groß der Bedarf an spezieller Berufsvorbereitung für blinde und sehbehinderte Menschen in Tirol ist, beweist die bisherige Bilanz: Seit dem Start des Projekts sehensWert wurden knapp 220 Menschen vom TBSV im beruflichen Umfeld begleitet. Im Jahr 2012 wurden exakt 36 Frauen und 41 Männer im beruflichen Kontext beraten und begleitet.

 

Bildmaterial zum honorarfreien Abdruck

Praktikantin Anna-Maria bei einer praktischen Übung

Credit: TBSV

 

Praktikantin Anna-Maria bei einer praktischen Übung