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Sehbehinderung & Beruf: 5 Jahre Projekt „sehensWert“

Innsbruck, 4.3.2013. Seit 2008 begleitet und berät das Projekt „sehensWert“ des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Tirol (BSVT) blinde und sehbehinderte Menschen bei allen Fragen rund um das Thema Beruf.

„Viele blinde oder sehbehinderte Jugendliche haben Schwierigkeiten, einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Auch die berufliche Neuorientierung, die aufgrund der Verschlechterung des Sehvermögens zwingend notwendig werden kann, gestaltet sich oft nicht einfach“, erklärt Carmen Natter, Projektleiterin des Projekts sehensWert, „Viele Betroffene verwenden kaum Hilfsmittel aus Angst vor Stigmatisierungen und das hat dann fatale Folgen für die Arbeitsplatzsuche und den Arbeitsplatzerhalt. Um den Anforderungen am Arbeitsmarkt gerecht zu werden, müssen die Betroffenen die Notwendigkeit von Hilfsmitteln und Kompensationsstrategien erkennen.“

 

Das Projektteam berät, begleitet und fördert seine Klientinnen und Klienten. Dabei geht es um grundlegende Maßnahmen aus den Bereichen Berufsorientierung und persönlicher Qualifizierung, wie zum Beispiel das Abklären des Sehvermögens oder die optimale Arbeitsplatzausstattung. Moderne Hilfsmittel, wie blinden- und sehbehindertengerecht adaptierte Computer, machen es möglich auch anspruchsvolle Tätigkeiten zu übernehmen. Es ist aber trotzdem schwer für einen sehbehinderten Menschen einen Arbeitsplatz zu finden.

 

Der Mensch im Mittelpunkt: Fachkraft in eigener Sache

 

Gemeinsam werden die beruflichen Möglichkeiten individuell erarbeitet, damit der Start ins Berufsleben optimal verläuft. Neben dem Praktikum werden in einzelnen Fällen auch Menschen direkt am Arbeitsplatz begleitet. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie bestimmte Arbeitsschritte bewältigt werden können.

 

Immer wieder ist der BSVT mit jugendlichen oder spät betroffenen Klientinnen und Klienten konfrontiert, die sich nicht mit ihrer Sehbehinderung auseinandersetzen. Daran wird aktiv mit den Betroffenen gearbeitet, betont sehensWert Projektleiterin Carmen Natter: „Während dem Praktikum vermitteln wir blinden und sehbehinderten Menschen Strategien und die Anwendung von Hilfsmitteln. Wichtig ist für uns auch, dass Betroffene ihre Bedürfnisse adäquat vermitteln können.“

 

Je nach persönlichem Bedarf gibt es verschiedene Angebote und Schwerpunkte:

  • Analyse der erforderlichen Arbeitsplatzausstattung
  • Unterstützung bei Auswahl, Finanzierungsmöglichkeiten und Abrechnung
  • Gespräch mit ArbeitgeberInnen
  • Sensibilisierungsangebote für ArbeitgeberInnen und KollegInnen
  • Analyse der Arbeitsumgebung und Beratung von notwendigen baulichen Maßnahmen
  • Begleitung am Arbeitsplatz für Schulung an Hilfsmitteln und Entwicklung von Kompensationsstrategien
  • Hilfsmittelschulung im BSVT oder zu Hause
  • Langfristiges Praktikum im Bürobereich mit Zertifikat
  • Abklärung von Mobilität und Anwendung lebenspraktischer Fertigkeiten im beruflichen Kontext

Wissensvorsprung durch individuelle Beratung

 

Seit über 65 Jahren ist der BSVT die einzige Anlaufstelle für blinde und sehbehinderte Menschen in Tirol. Wenn der Übergang von der Schule in den Beruf oder eine berufliche Neuorientierung ansteht, sind die Projektmitarbeiter die richtigen Ansprechpartner. Seit 2008 gibt es durch die Unterstützung des Bundessozialamts Landesstelle Tirol das Projekt sehensWert. Wie groß der Bedarf an spezieller Berufsvorbereitung für blinde und sehbehinderte Menschen in Tirol ist, beweist die bisherige Bilanz: Seit dem Start des Projekts sehensWert wurden knapp 250 Menschen vom BSVT im beruflichen Umfeld begleitet. Alleine im Jahr 2012 wurden exakt 36 Frauen und 41 Männer im beruflichen Kontext beraten und begleitet.

Das Projekt „sehensWert – Berufsorientierung und Berufsqualifizierung für Blinde und Sehbehinderte in Tirol“ wurde von der Beratungsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Tirol speziell für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit im berufsfähigen Alter entwickelt. Ziel ist es, durch entsprechende persönliche Qualifizierung eine Chancengleichheit bei der Erlangung und Sicherung eines Arbeitsplatzes zu erreichen.

Praktikantin Anna-Maria bei einer praktischen Übung