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HÖRVERBINDUNG ZUR QUELLE

Ein inklusives Kunstprojekt im öffentlichen Raum von EXPERIMENTAL SETUP in Kooperation mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT)


Wie klingt der Ursprung unseres Trinkwassers? Und was verändert sich, wenn ein Lebensmittel nicht über Bilder oder Geschmack, sondern über Geräusche erfahrbar wird?

Zwischen Innufer, Verkehrslärm und Spazierwegen lädt eine Kunstinstallation dazu ein, in die Klangwelt eines ganz besonderen Lebensmittels einzutauchen. Die „Hörverbindung zur Quelle“ führt akustisch tief in die Berge rund um die Tiroler Landeshauptstadt und lässt die Klangporträts jener neun Wasserquellen hörbar werden, die Innsbrucks Trinkwasserversorgung sichern.

Eine ausrangierte Telefonzelle wird zu einem Kunstwerk transformiert, als markantes Objekt im Stadtraum positioniert und als Hör-Raum neu bespielt. Die auffällige Farbgestaltung setzt die Klanginstallation als eigenständigen Ort in Szene – als visuelles Signal, das Orientierung bietet und Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die Telefonzelle war über Jahrzehnte ein Ort öffentlicher Verbindung: ein Übergangsraum zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen Distanz und Nähe. In einer Zeit, in der Telefonzellen weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind, erscheint ihre Umfunktionierung zugleich vertraut und irritierend. Kata Hinterlechner und Bosko Gastager greifen dieses kulturelle Gedächtnis auf und übersetzen es in einen zeitgenössischen Kontext. Aus einem Ort des Sprechens wird ein Ort des Zuhörens.

Wer die Telefonzelle betritt, verlässt akustisch den urbanen Raum und begibt sich in den alpinen Naturraum – dorthin, wo das Wasser seinen Weg in die Stadt beginnt. Die Installation eröffnet einen sinnlichen Zugang zu den Quellgebieten des Innsbrucker Trinkwassers, ohne dass diese Orte physisch aufgesucht werden müssen.  Im Inneren befindet man sich in einer kompakten, geschützten Umgebung, in der gezielt zugehört werden kann.

Über einen Telefonapparat mit anwählbaren Nummern können neun Audioaufnahmen abgerufen werden. Jede Nummer ist einer Quelle zugeordnet, die Teil der Innsbrucker Trinkwasserversorgung ist. Mit der Anwahl wird die Verbindung hergestellt: Die jeweilige Quelle wird über den Telefonhörer hörbar.

Der Aufenthalt entfaltet sich als individuell gestaltbare Folge von Hörsituationen, die den städtischen Alltag mit dem alpinen Naturraum verknüpfen. Feines Tropfen, gleichmäßiges Rinnen, kräftiges Fließen sowie Resonanzen in Gestein und Hohlräumen verdichten sich zu akustischen Landschaften. Beim Hören entstehen innere Bilder jener Orte in den Bergen rund um Innsbruck, an denen das Wasser entspringt. Indem seine Quellen hörbar werden, erscheint es nicht mehr als selbstverständliche Ressource, sondern als Teil eines lebendigen Prozesses – als Bewegung, Veränderung und Ausdruck eines größeren ökologischen Zusammenhangs.

Die Arbeit macht die elementare Welt des Wassers akustisch zugänglich und eröffnet einen sinnlich geprägten Zugang zu einem essenziellen Lebenselixier. Die „Hörverbindung zur Quelle“ lenkt die Konzentration auf den Ursprung unseres Trinkwassers und ermöglicht, eine scheinbar selbstverständliche Ressource einmal anders wahrzunehmen als gewohnt. Dadurch entsteht eine Form der Annäherung, die weniger auf Information als auf Erfahrung basiert.

Zugleich schafft sie einen Raum für Begegnung, der auf sinnesbasierte Weise ein respektvolles und diskriminierungssensibles Miteinander fördert.Damit verbindet die „Hörverbindung zur Quelle“ künstlerische Praxis mit gesellschaftlicher Sensibilisierung.


Die Kooperation
mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) ist nicht als symbolische Ergänzung zu verstehen, sondern bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt der Arbeit. Mit der „Hörverbindung zur Quelle“ verfolgt der BSVT einen kulturellen Ansatz zu Fragen von Orientierung, Barrierefreiheit und Teilhabe. Kunst fungiert dabei nicht als illustrativer Rahmen sozialer Anliegen, sondern als eigenständiges Medium, das neue Formen der Begegnung, des Erlebens und der Bewusstheit eröffnet.

Mit dieser Initiative setzt der BSVT einen Akzent auf innovative Vermittlungsformen an der Schnittstelle von Kunst, Inklusion und sensorischer Erfahrung. Ziel ist es, über unmittelbar erfahrbare Formate das Bewusstsein für Barrierefreiheit, einen achtsamen Umgang mit Ressourcen und die Mitgestaltung des öffentlichen Lebens zu stärken sowie neue Perspektiven auf diese Themen anzuregen.

Mit der „Hörverbindung zur Quelle“ entsteht eine poetische Annäherung an die Lebensrealitäten blinder und sehbehinderter Menschen, für die das Hören neben anderen sensorischen Zugängen eine zentrale Rolle bei Orientierung und Weltwahrnehmung spielt. Dabei rückt die Installation Wahrnehmungsformen in den Vordergrund, die im von visuellen Eindrücken geprägten Alltag häufig in den Hintergrund treten. Im Zentrum steht nicht das Bild, sondern das Hören als Form räumlicher Orientierung und Aufmerksamkeit. Im Kontext der Lebensrealitäten blinder und sehbehinderter Menschen eröffnet die Arbeit einen Zugang zu Fragen von Wahrnehmung und Teilhabe, ohne diese zu illustrieren oder pädagogisch zu erklären. So entsteht ein inklusiver Erfahrungsraum, in dem das Hören im Mittelpunkt steht und als eigenständige Form der Begegnung mit der Umwelt erfahrbar wird, ohne andere Sinnesformen auszublenden. Verschiedene sensorische Zugänge treten dabei miteinander in Beziehung und machen erfahrbar, wie vielfältig Wahrnehmung sein kann. Die Installation lädt dazu ein, unterschiedliche Weisen, die Welt zu erschließen, als gleichwertige Formen menschlicher Erfahrung wahrzunehmen.


Die „Hörverbindung zur Quelle“ wird in das Umfeld der laufenden Neugestaltung des ehemaligen Blindenwanderwegs zu einem inklusiven Sinnes- und Erlebnisweg in der Reichenau eingebettet, der gemeinsam von der Stadt Innsbruck, dem Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) sowie dem Behindertenbeirat entwickelt wird. Die Kunstinstallation bildet dort ein akustisches Herzstück, ist zugleich aber ein eigenständiges Projekt.

Das Projekt wurde von Kata Hinterlechner und Bosko Gastager (EXPERIMENTAL SETUP) initiiert und in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) realisiert. Die kuratorische Begleitung verantwortet Lea Stoll (Leitung Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising des BSVT).

Gefördert wird das Projekt von der Stadt Innsbruck und dem Land Tirol. Hauptsponsor sind die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB). Weitere Unterstützung kommt von Innsbruck Tourismus, der Telekom Austria AG, die die ehemalige Telefonzelle kostenlos zur Verfügung gestellt hat, sowie der Span Metallwaren GmbH, die die Pulverbeschichtung der adaptierten Telefonzelle als Sachsponsoring übernommen hat.


EXPERIMENTAL SETUP ist ein 2018 gegründetes Kunst- und Designlabel von Kata Hinterlechner und Bosko Gastager mit Standorten in Wien und Innsbruck. Der Name versteht sich zugleich als Slogan, Referenz und Handlungsanweisung. Die künstlerische Praxis umfasst klassische Ausstellungsformate, performative Interventionen, Kunst am Bau sowie Design und verbindet Installation, Skulptur, Malerei, Zeichnung und audiovisuelle Medien.


Der Blinden- und Sehbehindertenverband (BSVT) ist das Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung in Tirol. Seit 1946 unterstützt der ursprünglich als Selbsthilfeorganisation gegründete Verband Menschen aller Altersgruppen – von der Geburt bis ins hohe Alter – dabei, ihr Leben aktiv, selbstbestimmt und unabhängig zu gestalten. Dabei richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Angehörige, die in allen Fragen rund um Blindheit und Sehbehinderung Beratung, Information und Unterstützung erhalten.

Neben Beratung, Begleitung und konkreter Unterstützung für Betroffene und ihre Familien versteht sich der BSVT auch als Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen in Tirol. Der Verband setzt sich für den Abbau von Barrieren, für mehr gesellschaftliches Bewusstsein im Umgang mit Blindheit und Sehbehinderung sowie für eine inklusive und diskriminierungssensible Gesellschaft ein.

Im Jahr 2026 feiert der BSVT sein 80-jähriges Bestehen – acht Jahrzehnte Engagement für die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen in Tirol. Das Jubiläum wird zum Anlass genommen, die Arbeit des Verbands verstärkt in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.
Mit Projekten wie der „Hörverbindung zur Quelle“ setzt der BSVT auf sinnesorientierte Zugänge in der Verbandskommunikation und erweitert die Öffentlichkeitsarbeit um kulturelle und künstlerische Perspektiven auf Wahrnehmung, Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe.


Standort & Informationen

Geplante Laufzeit: 3 Jahre
Eröffnung: 2. Juni 2026
Standort: Nähe Kneippanlage am Lodenareal am Innufer, Innsbruck
Koordinaten: 47°16’36.8″N 11°25’15.2″E
Google Maps: https://maps.app.goo.gl/nc9qvWTJPhH31XrbA

Die Installation ist energieautark konzipiert und wird über eine integrierte Photovoltaikanlage betrieben. Sie ist auf eine mehrjährige Laufzeit angelegt und kann im öffentlichen Raum frei zugänglich genutzt werden.


Weiterführende Links

EXPERIMENTAL SETUP
https://www.experimentalsetup.com/
https://www.instagram.com/kollektiv_experimentalsetup/


BSVT
https://www.bsvt.at/
https://www.instagram.com/bsvtirol
https://www.facebook.com/BSVTirol
https://www.linkedin.com/company/bsvtirol


Zwischen Innufer, Verkehrslärm und Spazierwegen setzt die Kunstinstallation „Hörverbindung zur Quelle“ ein markantes Zeichen im Stadtraum und macht die Klangwelt der Innsbrucker Trinkwasserquellen hörbar. Foto: Udo Frizzi, 2026.

Zwischen Innufer, Verkehrslärm und Spazierwegen setzt die Kunstinstallation „Hörverbindung zur Quelle“ ein markantes Zeichen im Stadtraum und macht die Klangwelt der Innsbrucker Trinkwasserquellen hörbar. Foto: Udo Frizzi, 2026.

Kata Hinterlechner und Bosko Gastager neben der „Hörverbindung zur Quelle“ – eine akustische Verbindung zu den Ursprüngen des Innsbrucker Trinkwassers. Foto: Udo Frizzi, 2026.

Detailansicht der Kunstinstallation: Der rote Telefonhörer bildet die akustische Schnittstelle zu den neun Klangporträts der Innsbrucker Trinkwasserquellen. Foto: Udo Frizzi, 2026.

Bosko Gastager in der „Hörverbindung zur Quelle“, einer akustischen Verbindung zu den Ursprüngen des Innsbrucker Trinkwassers. Foto: Udo Frizzi, 2026.

Dank der Unterstützung der Stadt Innsbruck, des Landes Tirol, der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB), von Innsbruck Tourismus und der Span Metallwaren GmbH konnte dieses Projekt verwirklicht werden. Herzlichen Dank!