Direkt zum Hauptinhalt

Bericht Kurier 17. Juni 2020

Innsbruck,

„Wir helfen einander“
BVS Tirol.Obmann über Beratung und Service

Was bedeutet die Diagnose AMD für Betroffene?
Klaus Guggenberger: Das zentrale Sehen wird schlechter, Farben verblassen. Die meisten Menschen klagen, dass sie nicht mehr lesen
können. Sie sehen eine Uhr, aber können die Zeit nicht ablesen. Sie sehen Menschen auf der Straße und können deren Gesichter nicht erkennen.
Die Diagnose bedeutet für viele Unsicherheit und Angst vor einer Erblindung. Die Erkrankung betrifft das gesamte alltägliche Leben.
Menschen, die es gewohnt waren, selbstständig zu leben, sind plötzlich auf
Hilfe angewiesen.

Wie kann der Blinden- & Sehbehindertenverband helfen?
Wir bieten Sehhilfen wie elektrische Lupen, Monokulare und Kantenfilter an. Seit Neuestem gibt es auch eine elektronische Brille. Das ist eine gewaltige Hilfe für Menschen mit AMD. In unserem Team ist eine Fachfrau für Low Vision, eine Trainerin für Orientierung und Mobilität und ein Ergotherapeut. Uns geht es darum, Menschen zu einem selbstbestimmten
Leben zu verhelfen. Wir organisieren Veranstaltungen zusammen mit Ärzten und Ärztinnen. Dort ist auch ein Erfahrungsaustausch unter Betroffenen möglich. Wir empfehlen den Leuten, eine Schleife zu tragen. Das ist psychisch herausfordernd, da braucht es oft eine Überwindung. Unsere Psychologin, die selbst betroffen ist, bietet Beratungen an.

Wie ging es den Menschen während Covid-19?
Wir haben einen Notdienst aufrechterhalten für Menschen, die dringend eine Therapie oder ein Hilfsmittel benötigten – oder einfach Zuspruch.
Unsere Zivildiener im Verband haben die Zustellungen gemacht.

Welchen Umgang wünschen Sie sich von der Gesellschaft?
Verständnis und Hilfsbereitschaft, aber keine Bevormundung. Und vonseiten der Behörden: Die Hilfsmittel sind teuer. Solange jemand berufstätig ist, bekommt er sie finanziert, für ältere Menschen ist das schon schwieriger. Ein gutes Lesegerät kostet bis zu 5.000 Euro. Betroffene müssen selbst einen Beitrag leisten. Die Leute haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet und Versicherung gezahlt. Ich würde mir wünschen, dass die Finanzierungsmöglichkeiten für sie erleichtert werden.

Obmann Klaus Guggenberger

Presseartikel Kurier