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Bericht Stadtblatt vom 9. Oktober 2019

Innsbruck,

Berichterstattung im Stadtblatt Innsbruck zum Thema E-Scooter

Interview mit dem Verkehrsreferent des BSVT Michael Berger

E-Scooter und der Tiroler Winter
300 E-Scooter stehen auf Innsbrucks Straßen. Die Betreiber rüsten sich für den Winter.

IBK (acz/hege). Dann waren’s nur noch zwei. Kaum zwei Wochen auf dem Innsbrucker Markt, war der dritte Anbieter – Hive – schon wieder Vergangenheit. Warum der E-Scooter- Anbieter – ein Ableger von BMW und Daimler – nicht Fuß gefasst hat, ist unklar. Man munkelt, die Fahrzeuge wären einfach nicht haltbar genug gewesen. Eine Anfrage des STADTBLATTes blieb unbeantwortet. Die zwei weiteren Anbieter TIER Mobility und Circ gedenken überhaupt nicht zu gehen. Im Gegenteil: Man möchte sich für den Winter rüsten und versuchen, die Stadt von längeren Betriebszeiten zu überzeugen. Zurzeit dürfen sie lediglich zwischen 6 und 20 Uhr auf Innsbrucks Straßen fahren. Die zwei Anbieter wünschen sich eine Ausweitung bis zumindest 22 Uhr. Sie führen auch Erhebungen durch, die beweisen sollen, dass Innsbruck mehr EScooter verträgt als zurzeit erlaubt. Pro Anbieter dürfen 150 Fahrzeuge durch die Landeshauptstadt cruisen. Zur Freude der einen und zum Leidwesen der anderen.

Gefährlich für Blinde

Wenig glücklich zeigt sich der Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) über die neueste Verkehrsentwicklung in der Stadt Innsbruck. Passend zum Tag des weißen Stockes – dieser ist am 15. Oktober – sprach das STADTBLATT mit BSVT Verkehrsreferent Michael Berger über die neue Situation: „Für uns bedeutet das eine Hürde mehr.“ Er schildert den Alltag blinder und sehbehinderter Menschen, die mobil mit einem weißen Stock zu Fuß durch die Stadt gehen. „Mit dem Stock fahren wir die Straße entlang und können spüren, was auf der Straße steht. Lenkräder bemerken wir erst dann, wenn sie uns im Magen treffen.“ Besonders die quer über die Gehsteige abgestellten E-Scooter bedeuten große Gefahr für blinde Menschen – besonders ärgerlich: Sogar vor dem BSVT-Gebäude werden sie abgestellt. Für blinde und sehbehinderte Menschen wäre es eine sinnvolle Lösung, wenn die E-Scooter in Leihstationen – wie das Stadtrad – aufgestellt werden würden. Das wiederum beißt sich mit der Idee der E-Scooter im Allgemeinen: Suchen, wo es welche gibt und abstellen, wo es einem gefällt. Ausnahmen und rote Zonen gibt es auch: Geregelt wird dies durch die – nicht bindende, aber empfohlene – Akkreditierungsvereinbarung der Stadt Innsbruck mit den Betreibern. Sie ist – im Vergleich zu anderen Städten – besonders restriktiv. Außerdem ist TIER Mobility dabei, Pushnachrichten und Hinweise in der App auf das Blindenleitsystem. In der Kritik stehen die E-Scooter nicht nur deswegen, weil sie teils falsch abgestellt werden, sondern auch wegen ihrer Lebensdauer. Einer US-amerikanischen Studie nach sollen E-Scooter nur 28 Tage nutzbar sein, danach werden sie auf den Müll geschmissen. Daniel Fuchs-Bauer von TIER Mobility: „Das stimmt eigentlich nur dort und in dem System. In der USA verwenden es Privatpersonen, niemand repariert sie oder wartet sie wie bei uns. Das macht bei TIER Mobility den größten finanziellen Brocken aus.“ Auch Jakob Feigl von Circ will dieses Gerücht entkräften: „Wir produzieren selbst die EScooter, die vor Ort gewartet und repariert werden.“ Beide Betreiber bestätigen, dass die ursprüngliche Flotte großteils noch erhalten ist und wenn nicht, dann ins Lager als Ausbeute für Ersatzteile kommt. „Sonst würde sich das ja überhaupt nicht rentieren“, wie beide erklären.

Winter auf dem E-Scooter

Wie man die Winterzeit in Innsbruck mit den E-Scootern überbrücken will, dazu gibt es verschiedene Ansätze. Auf alle Fälle sollen die E-Scooter Teil des Stadtbildes bleiben. Bei Schnee oder Schneeregen werden sie allerdings eingesammelt oder auf Knopfdruck „stillgestellt“. Circ ist außerdem dabei, seine E-Scooter winterfest zu machen. Ein erster Prototyp mit Spikes wird gerade getestet. Bei TIER Mobility lässt man sich vom Innsbrucker Winter überraschen. In Wien hat man schon einen hinter sich. Fuchs-Bauer: „Da mussten wir sie nur für 3-4 Tage aus dem Verkehr nehmen. Wir rechnen damit, dass der Tiroler Winter um einiges härter sein wird.“

Umfrage zur E-Scooter-Nutzung

INNSBRUCK (acz/hege). Eine nicht repräsentative Umfrage auf der Webseite der Bezirksblätter www.meinbezirk.at/3596784 zum Thema E-Scooter zeigt ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen BefürworterInnen und GegnerInnen. 364 Personen haben bei der Online-Umfrage mitgemacht.

Das Ergebnis

26 Prozent der LeserInnen sehen kein Problem in den E-Scootern in Innsbruck. 33 Prozent finden sie hingegen sehr lästig. Der größte Teil der LeserInnen – 41 Prozent – findet E-Scooter o. k., wenn die Regeln eingehalten werden. In einer weiteren Frage wollte das STADTBLATT wissen, wie die LeserInnen das Fahrverhalten der E-Scooter-Nutzer einstufen. 34 Prozent glauben, dass sie gefährlich und nicht den Regeln entsprechend unterwegs sind, 33 Prozent glauben, sie sind rücksichtslos und sollten mehr bestraft werden und weitere 33 Prozent finden, dass E-Scooter-Fahrer sich an die Regeln halten. Auch die Polizei sieht keine Auffälligkeiten in diesem Bereich. In der Unfallstatistik laufen E-Scooter-Unfälle mit den Fahrradunfällen mit – daher gibt es keine genaue Statistik.

E-Scooter vor BSVT abgestellt