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Retinopathia diabetica

Diabetes greift gerne und häufig das Auge an. Vorsorge und rechtzeitiges Handeln sind essentiell.

Die Volkskrankheit Diabetes greift in der Gesellschaft um sich und im Menschen das Gewebe an. Still und leise, lange unbemerkt, greift die Zuckerkrankheit die Gefäße im Auge an. In der Folge kommt es zu Schäden auf der Netzhaut.

Der Preis: Das Augenlicht wird schwächer und schwächer. „Das wichtigste ist, dass Diabetiker ihren Blutzucker regelmäßig messen und gut eingestellt haben.

Auch der Blutdruck und der Blutfettwert müssen richtig eingestellt sein“, mahnt Oberarzt Dr. Georgios Blatsios von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie.

„Jeder Diabetiker muss nach der Erstdiagnose der Erkrankung eine Augenuntersuchung bekommen, um den Status zu bestimmen.

Im Folgenden die Zusammenfassung eines Vortrags von Oberarzt Dr. Georgios Blatsios, Univ.-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie, Medizinische Universität Innsbruck Juni 2015

In Österreich leben zwischen 600.000 und 800.000 Diabetiker. Diabetes Mellitus ist die Hauptursache für Erblindung in der erwerbstätigen Bevölkerung.

Diabetes betrifft am Auge

– die Netzhaut: Diabetische Retinopathie – die Makula (Zentrum der Netzhaut, Stelle des schärfsten Sehens): Diabetisches Makulaödem – der Sehnerv, der geschädigt werden kann (Optikopathie) – die Linse: es kann sich eine Linsentrübung (grauer Star – Katarakt) entwickeln – der Augendruck: er kann sich erhöhen (grüner Star – Glaukom) – der Tränenfluss: er kann gestört werden, zu trockenen Augen führen und die Wundheilung verzögern

Die Retinopathie ist die Hauptkomplikation bei Diabetes. Bei diabetischer Retinopathie leidet die Netzhaut unter chronischer Durchblutungsstörung. Zusätzlich kann es auch zu primären Schädigungen der Nervenzellen der Netzhaut kommen. Dies kann das Sehvermögen beeinträchtigen und bis zur Erblindung führen. Abhängig von der Form und dem Grad der Retinopathie, können Blutungen und Fettablagerungen in der Netzhaut die Folge sein oder mangelnde Durchblutung und Gefäßwucherungen.

Frühstadium:

– Kleine Blutungen an der Makula, die Gefäße im Auge werden brüchig. – Gefäßerweiterungen – Fette treten aus den Gefäßen in die Netzhaut aus, die sich dort ablagern.

Spätstadium:

– Durch den Sauerstoffmangel bilden sich neue Gefäße (Proliferationen). Diese sind jedoch brüchig und platzen leicht. – Wachsen die Gefäße in den Glaskörper, kann es dort zu Blutungen (Traktionsmembranen) kommen. – Diese Membranen können in Folge die Netzhaut so stark zusammenziehen, dass sich diese ablöst. – Sind die Wucherungen im Bereich der Regenbogenhaut ist die Flüssigkeitsabfuhr des Auges gestört und der Augendruck kann sich erhöhen (Glaukom)

Das diabetische Makulaödem ist gekennzeichnet durch eine Ansammlung von Flüssigkeit (Ödem) an der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula. Dies führt zu verschwommenem Sehen im zentralen Gesichtsfeld. Ursachen sind Entzündungen und Schädigung der Gefäße. Das Makulaödem ist unabhängig vom Stadium des Diabetes.

Untersuchungsmethoden

– Augenärztliche Untersuchung: Visusmessung, Augendruckmessung, Untersuchung der vorderen und hinteren Augenabschnitten. – Fluoreszenzangiographie (Farbdarstellung der Netzhautgefäße) – OCT (Optische Kohärenztomographie): Schichtuntersuchung der Netzhaut, durch die man die Flüssigkeitsansammlung im Auge und die Membrane auf der Netzhaut sieht.

Therapiemöglichkeiten

1. Internistische Behandlung

2. Therapie der proliferativen diabetischen Retinopathie (PDR)

3. Therapie des Makulaödems

4. Therapie der Komplikationen

1.Internistische Behandlung

Das wichtigste ist, eine gute allgemeine Diabeteskontrolle zu gewährleisten. der HbA1c Wert sollte <7 – 7,5% sein. Wichtig sind auch Blutdruck- und Cholesterinkontrolle.

2. PDR (unkontrolliertes Gefäßwachstum im Auge)

Laserkoagulation: Rückbildung der neuen Gefäße durch Zerstörung mit dem Laser – damit die Netzhaut mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Es handelt sich um eine ambulante Behandlung. Es sind oft mehrere Sitzungen nötig.

3. Makulaödem

Laserkoagulation: Früher spezielle Form der Laserkoagulation, heute nur mehr sehr selten, wegen der geringen Effektivität. Stimuliert die Resorption der Flüssigkeit.

Injektion in das Auge: Verabreichung von Medikamenten in das Auge: Nach Gabe von Betäubungstropfen wird die Spritze verabreicht, dann kann man wieder nach Hause gehen. Es sind mehrere Injektionen erforderlich.

Derzeit sind zwei Gruppen von Medikamenten zugelassen:

a) Anti- VEGF Antikörper (Lucentis, Eylea, Avastin): Sie bewirken eine Netzhautabschwellung. Monatliche Injektion während der ersten 3-5 Monate, danach je nach Befund. In Tirol ausschließlich in der Klinik durchführbar.

b) Kortikosteroide (Ozurdex, Iluvien): Injektionen ins Auge. Wirkungsdauer 3-12 Monate, häufigere Nebenwirkungen in Vergleich zu a).

4.Komplikationen:

Bei fortgeschrittenen diabetischen Veränderungen, wie Netzhautablösung, pesistierende Blutungen im Augeninneren, die das Sehvermögen beeinträchtigen und Traktionsmembranen ist häufig eine Operation (Vitrektomie – Glaskörperentfernung) möglich, um diese Veränderungen adäquat zu behandeln.

Jeder Diabetiker muss zum Augenfacharzt! Diabetische Augenveränderungen werden oft lange nicht bemerkt!

Wann sollen Augenkontrollen durchgeführt werden?

– Wenn die Diagnose Diabetes gestellt wird, um den Status zu erheben

– Falls keine diabetischen Veränderungen vorliegen reichen jährliche Kontrollen

– Bei geringen Veränderungen halbjährliche Kontrollen

– Bei moderaten Veränderungen vierteljährliche Kontrollen

– Bei Makulaödem oder PDR je nach Therapieplanung monatliche Kontrollen bis ein stabiler Augenstatus erreicht worden ist