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Masseurberuf

Berufsbild Masseur

Der Beruf des Masseurs oder der Masseurin gehört zu den in der Öffentlichkeit bekanntesten Berufsbildern für blinde und sehbehinderte Menschen. Sie gelten für diesen Beruf sogar als prädestiniert, weil ihr Fingerspitzengefühl als besonders ausgeprägt gilt – und das wohl zu Recht. Denn sehbehinderte und blinde Menschen sind in ihrem Alltag besonders auf den Tastsinn zur Kompensation des geringeren Sehvermögens angewiesen. Besonders beim Lesen der Blindenschrift. geht es darum minimale Unterschiede zu ertasten.

In prüderen Zeiten galten Blinde auch deshalb für den Masseurberuf als prädestiniert, weil sie den nackten Körper des Patienten oder der Patientin ja nicht sehen konnten. Auch manche Eitelkeiten dürften dabei eine Rolle gespielt haben, bleiben doch vermeintliche Schönheitsmängel den blinden Augen verborgen. Nun, wenn auch Nacktheit in der Öffentlichkeit heute kein großes Tabu mehr ist, vielen fällt es weiterhin leichter, sich auszuziehen, wenn der Masseur oder die Masseurin wenig oder nichts sieht.

Tatsächlich arbeiten in Tirol ein gutes Dutzend blinder oder sehbehinderter Menschen im Masseurberuf. Sie sind vorwiegend in Gesundheitseinrichtungen oder Rehabilitationszentren angestellt. Einzelne führen eine eigene Praxis. Interessanterweise ist eine Tätigkeit im Tourismus trotz eines Wellnessbooms eher die Ausnahme.

Ihre Ausbildung erhielten einige in der privaten Dr. Vodder Akademie in Walchsee. Diese Ausbildung ist zwar nicht für Menschen mit Sehbehinderung konzipiert. Trotzdem nehmen immer wieder Sehbehinderte erfolgreich daran teil. Spezielle Ausbildungsangebote mit eigens adaptierten Kursunterlagen finden in Rehabilitationseinrichtungen für blinde Menschen in Wien und in deutschen Berufsbildungswerken statt. Dabei ist die Ausbildung intellektuell durchaus herausfordernd, werden doch grundlegende Anatomiekenntnisse vermittelt.

Der Beruf ist körperlich anstrengend Die permanent vorgebeugte Körperhaltung beansprucht den Stützapparat. Eine Masseurin musste ihren Beruf nach allergischen Reaktionen auf bestimmte Substanzen, die bei einer Massage verwendet werden können, auch aufgeben.

Zur Patientenerfassung und Dokumentation werden von den Masseurinnen und Masseuren zunehmend auch Kenntnisse der elektronischen Datenverarbeitung und damit Kenntnisse von assistierenden Technologien und sehbehindertenspezifischen Arbeitsstrategien am PC erwartet. Der Masseurberuf stellt daher eine spannende Herausforderung mit körperlichem Einsatz und intellektuellen Fähigkeiten dar.

Erfahrene Masseure wissen auch, dass Kontaktfreudigkeit, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeiten in diesem Beruf wichtig sind. Mit den körperlichen Spannungen lösen sich oft auch seelische Spannungen und der Masseur oder die Masseurin muss Zuhören können.