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Interview zum Thema „Blindheit in Coronazeiten“

Innsbruck,

Interview mit Dipl.-Päd. Klaus Guggenberger, Obmann des BSVT
geführt von Barbara Resl, Presse BSVT

‘Sie sind Obmann des BSVT und selbst betroffen: Wie haben Sie die letzten Wochen in Corona-Zeiten erlebt?‘

„Zunächst stand ich, wie viele andere, durch die Maßnahmen der Regierung, Mitte März, vor einer überraschenden neuen Herausforderung. Besonders betroffen haben diese Schutzmaßnahmen behinderte und allein stehende Menschen. Auf die Schnelle musste ich Hilfsdienste organisieren, da natürlich auch meine Freunde und Bekannten mit der Ausgangsbeschränkung, den Abstandsregeln usw. betroffen waren. Schnell konnten die beim BSVT beschäftigten Zivildiener für Zustelldienste, Begleitdienste eingesetzt werden.

Eine große Hilfe für mich war ebenfalls der Assistent von SL (Selbstbestimmt Leben), dieser durfte zu mir nach Hause kommen und dringende Erledigungen für mich tätigen. Ich muss sagen, dass ich auf alle Dinge, die nicht wirklich wichtig waren, in dieser Zeit verzichtet habe. Jedenfalls bemühte ich mich einen strukturierten Tagesablauf aufrecht zu erhalten. Die Angebote einiger Lokale in Innsbruck, die Speisen zustellten, waren hilfreich, das nutzte ich mindestens dreimal in der Woche. Es klappte sehr gut. In diesem Zug möchte ich mich bei meinem Assistenten des SL und bei den Essenslieferanten bedanken.“

Ich habe in den letzten drei Monaten versucht, meinen Haushalt selbst zu organisieren. Ich bin ein sehr selbständiger Mensch, daher war das für mich ein geringeres Problem. Aber es gibt viele blinde und sehbehinderte Menschen, die wesentlich mehr auf Hilfe angewiesen sind. Wenn diese Menschen keinen Partner, keine Assistenz an der Seite haben, ist das sicher noch schwerer.“

‚Was haben Sie in der Zeit des Lockdown am meisten vermisst?‘

„Die Sehnsucht nach einem Erfahrungsaustausch oder einem Kaffeehausbesuch war groß, persönliche Gespräche haben mir sehr gefehlt. Das war für mich eine neue Erfahrung: eine ganz spezielle Form von Einsamkeit.“

‚Konnten Sie überhaupt aus dem Haus gehen?‘

„Schwierig waren für mich als blinder Mensch die kurzen, erlaubten Spaziergänge, um an die frische Luft zu gehen. Durch die Abstandsregel war das fast nicht möglich. Man muss sich das so vorstellen: Meine Begleitung ging etwa 2 Meter hinter mir und navigierte mit Ansagen: rechts, links, Kursänderung, Hindernis usw.

Meine Kontakte beschränkten sich also auf zahlreiche Telefongespräche und E-Mails, die im Besonderen durch meine Aufgabe als BSVT Obmann erforderlich waren. Es tut mir weh, dass mein Urlaub Ende Mai in Italien abgesagt werden musste und dass ich keine Besuche aus dem Ausland empfangen konnte. Dafür freue ich mich jetzt umso mehr, dass das bald wieder möglich ist und hoffe sehr, dass keine zweite Welle auf uns zukommt.“

‚Können die Leistungen des BSVT in vollem Umfang wieder angeboten werden?‘

„Als Obmann des BSVT bin ich stolz darauf, dass es uns gelungen ist von Beginn des Lockdown an und der damit verbundenen Schutzmaßnahmen, einen Notdienst für alle betroffenen Personen aufrecht zu erhalten. Ich hoffe sehr, dass unsere wichtigen Leistungen wie die Pädagogische Frühförderung, die Beratungen und die Reha-Trainings bald wieder in gewohnter Weise stattfinden können. Gerade in der Frühförderung und der Rehabilitation ist ein direkter Körperkontakt die Voraussetzung für unsere Arbeit.

Wir sind gut gerüstet und hoffen auf einen guten Neustart bei der Arbeit für unsere blinden und sehbehinderten Mitglieder.

Obmann Klaus Guggenberger